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Klaus Benz im Gespräch mit Nina und Christian Schieck.

Vier Generationen zwischen Aufbruch und Zukunft

Ein Gespräch zwischen Klaus Benz und Nina und Christian Schieck

Klaus Benz war Jahrzehnte lang im Familienunternehmen tätig. In der Nachkriegszeit stieg er, gemeinsam mit seinem Bruder Heinz, in den von ihrem Vater Wilhelm gegründeten Kohle- und Düngemittelhandel ein. In den Zeiten des Wiederaufbaus und den Wirtschaftswunderjahren erweiterten die beiden Brüder stetig die Geschäftsaktivitäten und die Produktpalette. In den achtziger Jahren übergab Klaus Benz seine Anteile am Baustoff- und Transportunternehmen an seine Söhne Norbert und Roland. Heute ist Enkeltochter Nina mit ihrem Mann Christian Schieck seit mehr als sieben Jahren in der Geschäftsführung des Baustoffhandels tätig. In diesem Gespräch konnte der 92-jährige dieser vierten Generation Geschichten und Anekdoten aus vergangenen Zeiten erzählen, an die sich heute nur noch sehr wenige erinnern.

NINA SCHIECK
Dein Vater Wilhelm Benz wurde in eine Neckarbischofsheimer Familie reingeboren, die über Generationen Ziegel entweder hergestellt hat oder Maurer hervorgebracht hat. Die Familie besaß sogar ein Kalkwerk. Im Jahr 1919 hat sich Wilhelm dazu entschlossen, selbst Dachziegel herzustellen. Was, meinst du, war der Grund für diesen Schritt?

Wilhelm Benz begann im Jahr 1919 damit, Ziegel zu produzieren und handelte ab Mitte der zwanziger Jahre mit Kohle und Kunstdünger.

KLAUS BENZ
Das kann ich euch sagen. Für die finanzielle Unabhängigkeit. Ende 1918 ist er aus dem Krieg heimgekehrt. Und dann hat er halt schauen müssen. Sein Bruder Karl hatte Kinder, die alle älter waren und von dem Kalkwerk gelebt haben.

CHRISTIAN SCHIECK
Was weißt du über seine Anfänge?

KLAUS BENZ
Er hat uns immer erzählt, dass er den ersten Kalk zum Ziegel-Machen bar bezahlt hat. Erst hat unser Vater ein Teilstück einer Halle am Bahnhof angemietet, später hat er dann dort eine eigene Halle gebaut. An einem Tag hat er genau 404 Dachziegel gemacht. Dazu hatte er eine Maschine, mit der er zwei Ziegel auf einmal produzieren konnte: Beton rein, mit dem Schlitten rüber und am Ende noch die Zementfarbe. Die Ziegel mussten dann zwei Tage auf einem Gestell trocknen. Schon morgens hat er angefangen. Später hat ihm unsere Mutter geholfen, den Beton anzumachen ... die Zusätze mussten stimmen, damit die Mischung richtig war. Für den Winter hatte er einen Ofen in der Halle, da hat er dann den Sand schon am Abend zuvor in die Halle gebracht, damit das Material nicht gefroren war.

NINA SCHIECK
Das klingt nach einem Knochenjob. Mitte der zwanziger Jahre fing er an, mit Kohle und Kunstdünger zu handeln.

KLAUS BENZ
Erst hat er die Dachziegel gemacht, dann kamen Kohle und Kunstdünger. Durch den Kohlehandel wurde er beim Spitznamen „Stinnes“ gerufen.

CHRISTIAN SCHIECK
Wie kamen Waren wie Kohle und Dünger nach Neckarbischofsheim? Hat man Mitte der zwanziger Jahre schon mit LKW ausgeliefert?

Mitte der dreißiger Jahre bezog die fünfköpfige Familie ein Haus in unmittelbarer Nähe zum Bahnhof, wo Wilhelm Benz auch eine große Lagerhalle errichtete.

KLAUS BENZ
Die Ware kam mit der Bahn und wurde dann per Hand verladen. Drei Gabeln Kohle waren ein Zentner. Und in zwei bis drei Stunden wurden so zwanzig Tonnen Kohle abgeladen. Unsere Mutter hat auch mitgeholfen. Die Halle war ja direkt am Bahnhof.

NINA SCHIECK
Und wie hat dein Vater die Kohle ausgeliefert?

KLAUS BENZ
Ein Bauer hat für ihn die Kohle mit dem Fuhrwerk ausgefahren – bis nach Siegelsbach. Unser Vater hatte in der Region viele Bäckereien als Kundschaft, die haben vor allem Briketts bekommen. In Neckarbischofsheim hat unser Vater die Kohlen auch selber mit dem Handwagen ausgefahren, da gingen sechs bis zehn Zentner Kohle drauf. Damit ist er den Bahnhofsweg runter, bremsen musste er am Randstein. Das muss man sich mal vorstellen, zehn Zentner Kohle auf dem Wagen!

CHRISTIAN SCHIECK
Von wem hat dein Vater denn die Kohle bzw. die Waren überhaupt bezogen?

KLAUS BENZ
Da kamen immer Vertreter aus Mannheim und aus dem Ruhrgebiet zu uns. Entweder mit der Bahn oder mit dem Auto. Ich weiß noch, einmal saß ich mit meinem Vater im Schwanen, einem Gasthof in Neckarbischofsheim. Da hat er von einem Handelsvertreter einen Waggon Briketts und Eierkohle gekauft.

NINA SCHIECK
Wieviel Dünger und Kohle er gehandelt hat, können wir heute nicht mehr nachvollziehen. Aber nach deinen Erzählungen war euer Vater wirtschaftlich gesehen nicht unerfolgreich, wenn auch die Zeiten nicht einfach waren – denkt man an die Weltwirtschaftskrise, die Inflation usw.

KLAUS BENZ
Unsere Eltern waren eben fleißige Leute. Durch den Fleiß hatten sie ihre Situation im Griff. Sie haben einfach viel selbst angepackt. Er war ein sparsamer Mann, der Geld verwalten konnte. Und dem Bauern, der ihm die Kohle ausgefahren hat, dem konnte er auch die Pferde kaufen. Der Mann hatte dafür kein Geld, aber er konnte dann die Pferde bei meinem Vater abverdienen.

NINA SCHIECK
Mitte der dreißiger Jahre seid ihr umgezogen und dein Vater hat investiert und eine eigene Halle am Bahnhof gekauft.

KLAUS BENZ
Richtig, das hat unsere Mutter angeregt. So war unser Vater näher am Geschäft.

NINA SCHIECK
Als in der Kriegszeit ihr drei Männer weg wart, hat eure Mutter zusammen mit deiner Schwester das Geschäft weitergeführt. Das müssen harte Zeiten gewesen sein!

CHRISTIAN SCHIECK
Mit dem Kriegsende kamen dann auch die Amerikaner nach Baden-Württemberg. Wie war das in Neckarbischofsheim?

KLAUS BENZ
Aufgrund seiner Inhaftierung in der Kriegszeit hat mein Vater von den Amerikanern eine Fuhrkonzession bekommen, später auch einen LKW von GM. Und weil es keinen Sprit gab, ist man mit Holzvergaser gefahren. Das war aber vor meiner Zeit. Ich bin erst später zurückgekommen.

CHRISTIAN SCHIECK
Nach dem Kriegsende begann bald der Wiederaufbau. Wie hat sich das auf das Geschäft ausgewirkt?

Ab Ende der vierziger Jahre erweiterten die Söhne Heinz und Klaus Benz das Produktsortiment.

KLAUS BENZ
Damals wurde viel Sand gefahren. Da war dann fuhrenmäßig viel los. Wir haben einen Hänger dazugekauft und Touren gemacht vom Zementwerk in Obergimpern nach Mannheim, zur BASF. Und auf dem Weg zurück haben wir Kohle oder Kies für uns mitgebracht. Da ging es dann gut los für uns. Für den Bau der Kasernen in Kaiserslautern oder Pirmasens haben wir auch viel Kalk geliefert. Wir hatten auch einen Opel Blitz, mit dem wurde dann Kunstdünger ausgefahren. Was wir da draufgeladen haben! Gut, dass da nichts passiert ist. Wie heißt es so schön: Ist die Lage noch so beschissen, muss man sich nur zu helfen wissen!

NINA SCHIECK
Der Bau des Baumarktes Ende der Siebziger markierte dann einen wichtigen Schritt. Das war bestimmt ein großer Sprung, auch vom Sortiment her. Es gab dann auch ein Fliesen-, Sanitär- und Kaminstudio im Obergeschoss. Hier habt ihr mit einem spezialisierten Architekten zusammengearbeitet. So eine Investition ist immer ein Zeichen für die Zukunft.

KLAUS BENZ
Wie sagt man? Das war damals gefordert. Die Kunden haben das so erwartet. Vorher haben wir einige andere Baumärkte besucht, um zu sehen, wie das die anderen machen – einen Baumarkt einrichten, mit was für einem Sortiment usw.

Ende der siebziger Jahre investieren die Brüder und errichten einen großen Baumarkt in Neckarbischofsheim.

CHRISTIAN SCHIECK
Du hast dann deine Anteile an die nächste Generation weitergegeben. Ab Anfang der neunziger Jahre hat Roland dann die Entwicklung des Unternehmens vorangetrieben, hat Filialen eröffnet ... dann 1998 der große Neubau. Das war ein Riesenschritt. Riskant, aber wichtig, um den Grundstein für die folgenden Schritte zu legen – für weitere Filialen und damit für die Erweiterung des Einzugsgebiets.

NINA SCHIECK
Ja, wenn man sich in der Branche umschaut, war bei BENZ die Bereitschaft, neue Wege zu gehen und sich neu zu erfinden, insbesondere seit Ende der achtziger Jahre besonders hoch. Doch die Branche, der Markt und die Zeiten ändern sich dauernd.

Klaus Benz (Mitte) an seinem 60. Geburtstag mit seinen Söhnen Norbert und Roland, seiner Frau Franziska und Günter Burghardt, dem damaligen Bürgermeister von Neckarbischofsheim (v. l. n. r.)

CHRISTIAN SCHIECK
Heute haben wir eine ganz andere Struktur und Größe als beispielsweise in den neunziger Jahren. Auch im Vergleich zu den zweitausender Jahren ist die Baubranche heute eine andere. Stichwort Onlinehandel, Digitalisierung usw., aber auch wie die Industrie heute arbeitet, die Arbeitnehmer ticken. Die Gegenwart fordert uns auf, andere Schritte zu gehen, oft kleinere, manchmal aber auch große Schritte. Da sind auch die Risiken andere ... Wie war das für dich oder euch, Klaus?

KLAUS BENZ
Bei uns damals ... da war es noch nicht so eine große Aufgabe. Wir haben halt gearbeitet. Aber es war lang nicht so kompliziert ... Heute ist es wirklich eine große Verantwortung!

NINA SCHIECK
Ja, mit der Größe des Unternehmens sind viele Felder dazugekommen ... Wir müssen immer sehr gut abwägen, den Markt und Wettbewerb beobachten und die Mitarbeiterbelange im Auge behalten.

CHRISTIAN SCHIECK
Uns für die Zukunft wappnen. Ninas Vater hat gute Grundsteine gelegt, zum Beispiel mit den Kooperationen, wie gesagt dem Filialnetz oder ganz besonders dem Online-Geschäft. Wir dürfen und müssen auf dieser breiten Basis aufbauen, um das Unternehmen weiterzuentwickeln. Das war und ist unsere Devise. Man muss immer wieder investieren – in Erweiterungen, aber auch in die Struktur. Unser Blick ist noch immer von unseren Erfahrungen vor dem Eintritt in die Firma geprägt, und wir haben noch viele Ideen, wie das Unternehmen weiterentwickelt werden könnte, in uns.

KLAUS BENZ
Nina, Christian, nehmt es mir nicht krumm, das versteht meine Generation nicht mehr. Aber ich wünsche euch von Herzen alles, alles Gute!

NINA SCHIECK
Das musst du ja auch wirklich nicht mehr. Danke, dass du uns ein bisschen an deiner Geschichte hast teilhaben lassen!

Disclaimer: Das Manuskript ist ein Auszug des Gesprächs, das im Frühjahr 2018 stattfand. Klaus Benz verstarb im Alter von 92 Jahren im Januar 2019.

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